Folge “Würstchen-Verwirrungen”

Wie das Wiener Würstchen zu seinem Namen kam….

… und warum ist Wiener nicht gleich Wiener?

Diese Frage stellten wir uns in einer Mittagspause, in der Ben sich mal wieder kulinarisch von Wiener Würstchen, wie sie beim Discounter unter der Agentur angeboten werden, verwöhnen ließ. Denn: was wir unter dem Namen „Frankfurter“ kennen aber auch immer mal wieder als Wiener kaufen oder als Wiener Würstchen oder gar Wiener Würstl, ist noch lange nicht ein und das selbe.

Dieses Mysterium klären wir heute auf.


 

Die Geschichte

Was genau dahinter steckt, berichten Ben und ich heute. Quintessenz: der Metzger Johann Georg Lahner kam nach Wien und brachte das Frankfurter Würstchen mit, eine Art Fastfood, das bereits im Mittelalter bekannt war. Er wandelte es in der Donaumetropole ab. Die Wiener Variante des Frankfurter Würstchens war geboren und so der immer wieder aufflammende Streit um die Frage : „Wer hat’s erfunden?“

Würstl-Verwirrung

Was dabei herauskam: die Würstel in Wien heißen „Frankfurter“ und in Frankfurt „Wiener“ ( wenn sie als Rind-Schwein-Variante von Lehner gegessen werden).

Bestellt man  allerdings eine Wiener (das kann den reisenden Piefkes schon mal passieren), bekommt man in Österreich eine Art Schnittwurst, die man höchstens zusammenrollen kann, wenn man das Frankfurter Würstchen-Gefühl haben möchte.

Edle Würstchen

Übrigens:  Ein normales Wiener Würstchen wiegt ca 50-70 Gramm. Und hier wird es wieder spannend. Bringt das Würstchen mit seinen internationalen Wurzeln ca. 90-180 Gramm auf die Waage, ist es länger und verlässt seine Fastfood-Gefilde zu Gunsten des Hotel Sacher, heißt es nun Sacherwürstel. Diese werden von der Wiener Firma Trünkel produziert. „Original“ oder „Echte“ Sacherwürstl dürfen sich aber nur jene aus dem Hotel Sacher nennen. Was nun aber Sacher mit dem Würstl zu tun hat, mutmaßen Ben und ich heute nur. Vielleicht wisst ihr es ja ?!

Spielerische Würstchen

Ach ja….wenn ihr selbst mal Lust habt, einen Würstlstand zu betreiben, dann solltet ihr unbedingt das Onlinespiel der Firma Trünkel ausprobieren! Beim Würstlstandspiel lernt ihr sogar noch richtige Wiener Mundart. Und wenn ihr weitere Fragen zum Thema Sacherwürstl habt, dann schaut auf der eigenen Seite des traditionellen Finger Foods mit den besonderen Ausmaßen vorbei.

Nun aber lasst euch euer Wiener, Frankfurter oder was euch auch immer den Samstagabend zum Genuss werden lässt. Bis bald, wenn dann Österreicher zu Wort kommen und wir der Frage nach dem Senf auf den Grund gehen…

 

10 Kommentare ↓

10 Kommentare zu “Wie das Wiener Würstchen zu seinem Namen kam….”

  1. Petrus* 5. November 2011 um 20:49 #

    Auch die Folge 8, ob die Frankfurter in Wien oder Wiener in Frankfurt,
    gilt es jetzt noch zu klären, schmeckt das Würschtle besser mit Senf oder Mostrich. Auf alle Fälle wieder super informativ und guter Unterhaltungswert! Macht weiter so, Julia und Ben super !

    Euer Stammhörer Petrus

    • Julia 6. November 2011 um 10:35 #

      Vielen Dank lieber Petrus!!!!
      Tatsächlich gilt es die Frage nach dem Senf noch zu klären….zumal ich einen „leichten“ Hang zu Senf haben, wenn du dich noch an damals erinnerst 😉
      also, wir werden auf jeden Fall bald über Senf und die verschiedenen Variationen sprechen 🙂

      Liebe Grüße in den Norden!!

  2. phaty 6. November 2011 um 10:31 #

    „Wer weiß, wie Gesetze und Würste zu Stande kommen, kann nachts nicht mehr ruhig schlafen.“ (Otto von Bismarck)

    • Julia 6. November 2011 um 10:37 #

      Schön gesagt Phaty…ich glaube, diese Worte Bismarcks ( der mich persönlich ja eher an meinen geliebten Bismarckhering erinnert ), fassen alles noch einmal PERFEKT zusammen 🙂
      Danke!!!

  3. eva 7. November 2011 um 11:40 #

    also zur frage wie es zu einem ’sacherwürstel‘ kommen kann, wo ’sacher‘ doch eher mit torte und süßem assoziiert wird:
    dazu muss man sagen, dass das klassische wiener kaffeehaus natürlich viel mehr ist als eine ‚konditorei‘, in der sich damen zum nachmittagskaffee treffen. im kaffeehaus ist vor allem auch der urbane mann ’nicht zuhause und doch nicht an der frischen luft‘. im kaffeehaus verbringt man den ganzen tag. man liest dort zeitung, schreibt – wahlweise musik oder bücher, spielt schach, karten oder karambol, hält vorlesungen, zeichnet und entwirft, philosophiert, diskutiert, macht geschäfte, … da kommt man mit einer torte als verpflegung nicht über die runden. daher gibt’s da auch kräftigere kulinarien, weil: leerer kartoffelsack steht nicht. im kaffehaus muss es daher ‚würschtel‘ geben, idealerweise mit senf, kren (=meerrettich) und brot (einer scheibe dunkles brot, bitte kein ‚brötchen‘). ‚herrengulasch‘ mit semmerl, oder fiakergulasch, garniert mit einem ‚einspänner‘, einem einsamen würstchen, nicht-paarig vorkommnend. oder gulaschsuppe. oder ‚fritattensuppe‘. oder, oder. daher reichte dem sacher als wiener institution natürlich die torte nicht, es musste auch ein würstchen haben, um seine illustren gästen entsprechend ernähren zu können.

    und noch etwas: die österreichische ‚wiener‘ – als eine sorte aufschnitts-wurst unter anderen – zeichnet sich durch eine viel gröbere farce aus als die frankfurter. als kind pflegte ich sie daher ‚punkterl-wurst‘ zu nennen. die gehört – wie die ‚extrawurst‘ (~=fleischwurst) – ins ‚wurstsemmerl‘. und, ganz wichtig: aufschnitt, und überhaupt amorphe, beliebig portionierbare lebensmittel: fleisch, käse, kartoffelsalat, mayonnaisesalat, kräutertopfen, ‚liptauer'(!) , … kauft man bei uns in ‚deka‘, kurz für ‚dekagramm‘, eine einheit die in deutschland keiner versteht, weil da gibts nur ‚gramm‘. daher zur schließung einer germanischen bildungslücke und wichtigen ergänzung eures ‚österreich verstehen‘: 10 dkg (‚deka‘) = 100 gr oder inhalt eines ‚wurstsemmerls‘.

  4. eva 7. November 2011 um 12:16 #

    ahja, noch eine anmerkung zu meinem vorhergegangenen kommentar: in deka kaufen kann man auch ‚faschiertes‘ (= hackfleisch) für z.b. ‚hascheeknödel‘ (=fleischknödel). schön, gelt? überhaupt geben begriffe im kontext lebensmittel die schönsten beispiele für austriazismen im unterschied zu den entsprechenden bundesdeutschen termini. (unterkategorien ‚brot&gebäck‘, ‚obst&gemüse‘, knödel/suppeneinlagen, braten und fleischgerichte, küchengeräte&masseinheiten …)
    … und dann gibt’s auch noch die viiiielen schönen regionalen und lokalen varianten auf beiden seiten der staatsgrenze.

    • Julia 12. November 2011 um 13:53 #

      Liebe Eva,

      viiiilen Dank für deine sehr ausführlichen und sehr sehr spannenden Erklärungen! Wow, da haben wir jetzt wirklich etwas gelernt! Besonders übrigens gefällt mir dein Ausspruch: „Ein leerer Kartoffelsack steh nicht.“ Grandios! Und dann gleich noch eine Maßeinheit gelernt, die ich in der Tat noch nicht kannte 🙂

      Allein das Maßeinheiten-Thema wäre ja mal eine Podcast – Folge wert.

      Genauso haben wir uns das gewünscht, um unsere germanischen Bildungslücken zu schließen 🙂

      Ich werde bald mal zu Übungszwecken etwas in „deka“ kaufen.
      Vielen vielen Dank!!

      Und: wir hoffen, dass wir noch viele weitere regionale und lokale Unterschiede aufklären können. Wenn du also weitere Ideen hast, vielleicht auch mal eine Frage nach einem deutschen Wort, immer gern her damit 🙂

      Liebe Grüße,

      eine neue Folge ist schon in Arbeit.

  5. werner 14. November 2011 um 17:32 #

    Die „Original Sacherwürstel “ werden nicht von der Firma Trünkel produziert! Eine kleine Manufaktur aus Niederösterreich produziert die „Echten“!! Liebe Grüße

    • Julia 18. November 2011 um 21:55 #

      Hallo Werner,

      wirklich??? Da sieht man mal, wie man geblendet wird durch die Tünkel-(Eigen??) Werbung 🙂 Danke, für den Hinweis…und wieder was dazu gelernt! Liebe Grüße auch zurück!

  6. Karla 9. Dezember 2011 um 15:21 #

    Servas! 🙂

    Also bei dem Würstchenbeitrag musste ich sofort an die „Eitrigen“ denken…denen ich bei meinem ersten Wien-Aufenthalt an jeder Ecke über den Weg gelaufen bin!
    Das sind leicht geräucherte Brühwürste mit einem Innenleben aus Käse (welcher bei Hitze schmilzt und … nunja, aus der Wurst läuft) …Jetzt weiß man auch woher der Name kommt!
    Mittlerweile lebe ich mit einem Wiener zusammen und solche Ausdrücke sind für mich keine Fremdwörter mehr! 🙂

    Ihr schafft das auch! Toller Blog für alle Ösiland-Fans und Auswanderer! 🙂

    Liebe Grüße
    Karla

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